Bessere Einkaufsversorgung für Ältere im Dorf: Europ’age sucht mit Globus neue Wege

Kein Laden mehr in der Nähe für frisches Brot, Wurst, Drogerieartikel und Alltagsbedarf ? Was können ältere Menschen, die nicht selbst Auto fahren, da noch  tun ? Die in das EU-Förderprogramm “Senior activ” eingebundene Seniorenvereinigung Europ’age Saar-Lor-Lux ist derzeit dabei, in Gesprächen mit dem größten saarländischen Warenhausunternehmen, Globus Handelshof (St. Wendel), nach Lösungen zu suchen. Zwei mögliche Alternativen bieten sich an: Entweder werden wie bei dem Modellprojekt “Das smarte Dorf” in Remmesweiler im Kreis St. Wendel den älteren Leuten tags vorab bestellte frische Waren zum Gemeindehaus beziehungsweise gleich nach Hause geliefert oder ein großes Warenhaus wie Globus holt die älteren Leute von daheim ab zu sich zum Einkaufen und Kennenlernen Gleichgesinnter.

“Es bringt nichts, den Dorfladen wieder aufleben zu lassen. Wir wollen nicht gegen den Trend kämpfen, sondern eigene Lösungen finden”, heißt es im “Smart-Village” Remmesweiler, wo Vertreter des Globus-Warenhauses in St. Wendel bereits signalisiert haben, sich an dem Zukunftsprojekt zu beteiligen. Doch der Geschäftsleiter des größten saarländischen Einkaufsmarktes in Saarbrücken-Güdingen, Matthias Bruch, der zum 1. Juli die Geschäftsführung über die gesamte Handelskette übernimmt, scheint derzeit das andere Modell zu favorisieren.

“Aus den Erfahrungen, die wir bisher bei Globus gemacht haben, wollen gerade die älteren Menschen auf den Dörfern, die wenig soziale Kontakte haben, weil es auch keine Kirche oder Kneipe mehr in ihrem Ort gibt, lieber einen neuen Treffpunkt zum Einkaufen haben, wo Leben ist”, sagte Bruch im Gespräch mit Europ’age: “Die älteren Leute könnten mit Bussen, die sie abholen, regelmäßig zum nächsten Globus-Warenhaus gefahren werden und dann da nicht nur mit Gleichgesinnten Einkaufen, sondern  auch Frühstücken, Mittagessen oder nachmittags Kaffeetrinken, ehe sie wieder nach Hause gebracht werden. “Wir wollen in unseren Märkten ein sozialer Treffpunkt sein, auch mit der Gastronomie”, sagt Bruch: “Ich glaube, dass das eher ein Weg ist, als in die Dörfer zu gehen”.

Im ostdeutschen Dorf Theißen-Zeitz (Sachsen-Anhalt) praktiziert Globus nach Angaben von Bruch so eihergestellt werdenn Abhol-Modell mit etwa 200 Fahrgästen pro Woche bereits seit langem mit Erfolg: Seit 1994 gibt es dort den ersten Globus-Kundenbus. Aktuell fahren jede Woche von Dienstag bis Freitag acht Buslinien aus verschiedenen Richtungen die Dörfer an und bringen sie zum Globus-Markt. Kosten für die Kunden pro Tour hin und zurück zusammen 1,50 Euro, Aufenthaltsdauer für den Einkauf etwa zwei Stunden. Ab einem Einkauf von 35 Euro erhalten die Kunden gegen Vorlage des Kassenbons und des Fahrausweises eine Tasse Kaffee, Kakao oder Tee kostenlos in der Gastronomie. Vom Bingo bis zum Tanztee hat es auch schon etliche Events in den Märkten gegeben.

Also Modell auch für das Saarland ? Hier hat Globus nach eigenen Angaben über 20 Prozent Marktanteil im Lebensmittel- und Drogeriemarkt sowie rund 9 Millionen zahlenden Kunden pro Jahr, davon sehr viele aus dem benachbarten Frankreich. Im Globus-Güdingen sprechen mehr als ein Drittel der Beschäftigten Französisch. Dazu gibt es im Saarland Globus-Warenhäuser in St. Wendel, in Homburg-Einöd, Losheim, Saarlouis und Völkingen. Demnächst (Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben) haben Mitglieder und Gäste von Europ’age zudem bei einem Projekt “Gläserner Globus” im Globus-Güdingen Gelegenheit, hinter die Kulissen zu schauen und  zu sehen, wie mit Sauerteig frisches Brot und Backwaren hergestellt werden, oder wie in der eigenen Hausmetzgerei Fleischkäse, Lyoner und andere Erzeugnisse produziert werden.

Udo Lorenz