Zwischen Kriegsmuseum und Champagnerkeller: Deutsch-Französische Begegnungsreise

50 Senioren aus dem Saarland und Lothringen auf Tour zu Erinnerung und Freundschaft 

Ein Kriegsmuseum voll Waffen als mahnendes „Nie wieder“, ein vom steinernen Portal der mächtigen Kathedrale lächelnder Engel und jede Menge Lebensfreude versprühende rosa Biscuits-Tüten, Weinreben und Champagnerkeller: Im Rahmen der Europawoche 2026 erlebten im Mai 50 Senioren aus dem Saarland und Lothringen eine äußerst spannende gemeinsame deutsch-französische Erinnerungs- und Freundschaftsreise in die Champagne rund um deren Metropole Reims. Eingeladen zu der zweitägigen Kultur- und Begegnungstour in einem gemeinsamen Bus hatten die Seniorenorganisation Europ’age Saar-Lor-Lux aus Saarbrücken, die Volkshochschule(VHS) Illingen und der Club Seniors „Les Amis d‘ Ariane“ aus Metz. Und alle erlebten eindrucksvoll wie historische Bildung, Erinnerungskultur, touristische Entdeckungen und gelebte europäische    Verständigung miteinander verbunden werden können.

Reims, die traditionsreiche Krönungsstadt der französischen Könige und Hauptstadt des Champagners, bot den idealen Rahmen für dieses europäische Begegnungsprojekt. Die Stadt steht wie kaum eine andere für die wechselvolle Geschichte Europas: schwer zerstört schon im Ersten Weltkrieg, immer wieder aufgebaut,  Schauplatz der deutschen Kapitulation am 7. Mai 1945 und Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung durch das historische Treffen von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle im Jahr 1962 in der Kathedrale Notre-Dame de Reims.

Die Fahrt führte zunächst nach Épernay.  Die deutsch-französische Gruppe entdeckte dort per kleinem unterirdischem  Zug die 18 Kilometer langen ins Kreidegestein gegrabenen gleichmäßig  kühlen Champagnerkeller des Hauses Mercier. Bei einer Dégustation samt knallender Korken gab es einen Einblick in die traditionsreiche Champagnerkultur der Region. Dann ging es zum „P‘tit Imogien“, einem Traditions-Restaurant  entlang der Voie de la Liberté (Weg  der Freiheit). Bei regionalen Spezialitäten und gemeinsamen Gesprächen wurde schnell deutlich, wie lebendig die deutsch-französische Freundschaft bei „A  la vôtre“ und „Bon appétit“ trotz so  mancher Sprachbarrieren auf beiden Seiten heutzutage gelebt werden kann.

Auch der Zweite Weltkrieg stand im Mittelpunkt der Reise. Beim Besuch des renovierten und gerade erst neu eröffneten Musée de la Reddition in Reims erfuhren die Besucher, dass die bedingungslose Kapitulation Nazi-Deutschlands bereits am 7. Mai 1945 um 2:41 Uhr morgens im Hauptquartier der Alliierten, das damals in einem Gymnasium in Reims untergebracht war, unterzeichnet wurde –  genauer gesagt im „War Room“ – einem historischer Ort, der in deutschen Geschichtsbüchern oft nur am Rande erwähnt wird. Umso größer war das Staunen über die zentrale Rolle der Stadt für das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. Die anschließenden Gespräche zeigten eindrucksvoll, wie wichtig der deutsch-französische Austausch über unterschiedliche Formen der Erinnerungskultur bleibt. Bedauert wurde, dass in dem Museum eine Beschriftung der Exponate in Deutsch fehlt.

Der Besuch der Nationalen Nekropole von Sillery, einem bedeutenden Erinnerungsort des Ersten Weltkriegs, gehörte ebenfalls zu den emotionell bewegenden Momenten der Reise. Mehr als 11.000 Soldatengräber – auch aus dem Zweiten Weltkrieg –  erinnern dort eindrucksvoll an die menschlichen Tragödien und Zerstörungen, die das vergangene Jahrhundert auch in unserer Nachbarregion Grand-Est  hinterlassen hat.

Eine besondere Aufmerksamkeit galt der  „Cité-jardin du Chemin Vert“, die ab 1919 nach den massiven Kriegszerstörungen errichtet wurde. Die grüne Gartenstadt, die im UNESCO Weltkulturerbe erwähnt wird, symbolisiert den sozialen und architektonischen Neuanfang der Stadt nach dem Krieg.

Neben den historischen Programmpunkten lernten die Reiseteilnehmer auch das kulturelle und kulinarische Erbe der Champagne kennen. Nach dem Besuch des traditionsreichen Hauses Fossier mit seinen berühmten „Biscuits Roses“ entdeckte die Gruppe die historische Altstadt von Reims mit ihren beeindruckenden Art-déco-Fassaden und Jugendstil-Schätzen.

Natürlich durfte auch die berühmte Kathedrale Notre-Dame de Reims nicht fehlen. Der „lächelnde Engel“ der Kathedrale wurde zu einem beliebten Fotomotiv und zu einem Symbol für die gute Stimmung der Reise. Ein weiterer Höhepunkt war die Fahrt durch die Weinlandschaften der Montagne de Reims bis zum Leuchtturm von Verzenay mit seinem beeindruckenden Panorama über die Champagne. Auch die Kirche Saint-Nicaise mit ihren berühmten Lalique-Glasfenstern und ihrer außergewöhnlichen Innenausstattung mit farbenprächtigen realitätsnahen religiösen Darstellunge hinterließ bleibende Eindrücke.

Die Reise machte deutlich, wie wertvoll persönliche Begegnungen, gemeinsame Erinnerungsarbeit und

kultureller Austausch für die deutsch-französische Freundschaft und den europäischen Zusammenhalt sind – gerade in einer Zeit neuer gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen in Europa. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußerten bereits den Wunsch nach weiteren gemeinsamen deutsch-französischen Kulturreisen.

À la prochaine !

Udo Lorenz/Esther Ribic/Anne Breit